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4) Der letzte Rivale der Triumvirn: ein Denar des Sextus Pompeius

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Auf der Vorderseite ist ein nach rechts blickender barhäuptiger Kopf eines älteren Mannes im Profil zu erkennen. Rechts von ihm befindet sich der Krummstab der Auguren (lituus), links eine Kanne. Die (auf dem vorliegenden Stück nicht ganz vollständig erhaltene) Legende lautet MAG•PIUS•IMP•ITE[R] und führt damit direkt zu dem jüngeren Sohn von Caesars Rivalen Pompeius, Sextus Pompeius Magnus Pius, der sich hier imperator iterum (Imperator zum zweiten Mal) nennt. Das Portrait der Vorderseite zeigt somit nicht den Prägeherren, sondern seinen Vater Gnaeus Pompeius Magnus; es ist damit zugleich eines der wenigen Quellen über sein Äußeres.
Auf der Rückseite befindet sich in der Mitte der nackte Neptun, mit seinem rechten Fuß auf der prora und in der rechten Hand die Verzierung des Schiffshecks (aplustre) haltend. Die Brüder Amphinomos und Anapias, die ihre Eltern auf ihren Schultern tragen, sind zu Neptuns Rechten und Linken dargestellt. Am oberen Rand steht PRAEF, am unteren CLAS•ET•OR[AE], auf der nicht ausgeprägten zweiten Zeile MARIT•EX•S•C. Damit ist das Amt des Sextus Pompeius angegeben: praef(ectus) clas(sis) et or(ae) marit(imae) – „Kommandeur über die Flotte und die Küstengebiete“.
Die Darstellung des Neptun auf der Rückseite symbolisiert nicht nur den Anspruch auf Seeherrschaft des Sextus Pompeius, sondern auch seinen Anspruch auf die Abstammung von Neptun, um sich eine göttliche Herkunft zu verleihen. Er tat dies in Nachahmung Octavians, der sich nach der Erhebung Caesars zum Staatsgott im Jahre 40 v. Chr. divi filius, Sohn des Vergöttlichten, nannte. Die Darstellung des Amphinomos und des Anapias zu beiden Seiten Neptuns ist auf eine Sage zurückzuführen, wonach die Brüder bei einem Ausbruch des Ätna ihre Eltern auf ihren Schultern tragend aus den Flammen gerettet haben sollen. Die Brüder galten deshalb als Vorbild der pietas und stellten somit ein passendes Symbol für Sextus Pompeius - der mit dem Beinamen Pius in seinen Namen noch progammatisch die Anhänglichkeit an seinen Vater aufnahm – und seinem 45 gefallenen älteren Bruder Gnaeus.
Der zwischen 68 und 66 v. Chr. geborene Sextus Pompeius Magnus Pius war der jüngere Sohn des Pompeius Magnus. Nach der Ermordung seines Vaters 48 v. Chr., die er vor Pelusion in Ägypten miterlebte, floh er zunächst in die Provinz Africa und dann nach der Niederlage der Pompeianer in Sizilien nach Spanien. Dort unterstützte er seinen Bruder bis zu dessen Tod 45 v. Chr. in seinem Kampf gegen Caesar und stellte nach Caesars Abzug ein Heer aus den Soldaten seines Vaters und seines Bruders zusammen. So eroberte er kleinere und größere Städte, behauptete sich im Kampf gegen eine Reihe von Gegnern und gewann dadurch immer mehr Ansehen und Unterstützung. Nach Caesars Tod 44 v. Chr. bemühte sich Sextus Pompeius um freie Rückkehr nach Rom, um die Wiederherstellung des Andenkens seines Vaters und um Entschädigung für sein väterliches Erbe aus dem Staatsschatz. Er schloss einen Vergleich mit Marcus Antonius, der eine Annäherung des Pompeius an die Republikaner fürchtete. Dieser wurde später vom Senat bestätigt, wonach Pompeius 50 Millionen Drachmen aus dem Staatsschatz erhalten sollte. Durch Antonius’ Unterstützung wurde Pompeius dann Anfang 43 v. Chr. zum praefectus classis et orae maritimae (siehe Münze) ernannt, was das Oberkommando über die Seestreitkräfte bedeutete. Kurz darauf wurde er allerdings durch die lex Pedia, die sich gegen die Caesarmörder richtete, geächtet. Sie beinhaltete unter anderem, dass ein Angeklagter, der sich nicht stellte, verbannt wurde. Deshalb wurde Pompeius seiner Ämter enthoben, doch er fügte sich nicht, da er widerrechtlich das Kommando über die Flotte behielt und mit ihrer Hilfe 43 v. Chr. Sizilien eroberte. Von dort aus begann er eine Blockade Italiens, welche zu einer Hungersnot in Rom führte. Doch lehnte Pompeius einen Angriff auf Italien ab, um die Möglichkeit einer Einigung mit Marcus Antonius und Octavian nicht auszuschließen. Zwischen 42 und 40 v. Chr. gelangen Sextus Pompeius dann einige Siege gegen die Truppen der Triumvirn. Diesen Siegen verdankte er sein steigendes Ansehen, bis er dann schließlich durch die Verwüstung der italischen Küsten und die Blockade der Kornzufuhr Octavian 39 v. Chr. im Vertrag von Misenum dazu zwang, ihm die Übertragung des Konsulats für 35 zu sichern, die Statthalterschaft in Korsika, Sardinien und Sizilien zu übergeben und ihn für die Erbschaft seines Vaters zu entschädigen. Ebenfalls erreichte Pompeius die Aufnahme in die Priesterschaft der Auguren. Nach wiederholten Auseinandersetzungen mit Octavian und Antonius unterlag Pompeius schließlich im August 36 v. Chr. in einer Schlacht in der Bucht von Naulochos. Von dort aus floh er, wurde aber im Jahre 35 v. Chr. in Bithynien ergriffen und in Milet hingerichtet.
Die Datierung des Denars ist umstritten. Die Prägung fällt auf jeden Fall in die Zeit nach der Übertragung des Seekommandos; den Titel wird Pompeius auch später, nachdem er ihm „offiziell“ wieder entzogen war, nicht abgelegt haben. Nicht belegt ist das Datum der Annahme der zweiten imperatorischen Akklamation (imperator iterum). So wird die Prägung zwischen 42 – 40 v. Chr (Crawford) oder erst 37 – 36 v. Chr. (Woytek) datiert.

Inv.-Nr. 2407 (3,86g; Stempelstellung 12)
Crawford, Michael: Roman Republican Coinage, Cambridge 1974, Nr. 511/3a.
Marta Piorek
Literatur:

  • Deißmann-Merten, Marieluise: Art. Pompeius Nr. 3, in: KlP 4 (1972), Sp.1026-1028.

  • Fündling, Jörg: Art. Pompeius Nr. 5, in: Der Kleine Pauly 10 (2001), Sp.107-109.

  • Graf, Fritz: Art. Amphinomos, in: Der Neue Pauly 1 (1996), Sp. 615.

  • Miltner, Franz: Art. Pompeius Nr 33., in: RE 21,2 (1952), Sp. 2213-2250.

  • Woytek, Bernhard: MAG PIVS IMP ITER, in: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 45, 1995, S. 79 – 94.